Andere (Bundes-) Länder, andere Sitten

So wird in Niedersachsen der Schützenkönig ausgeschossen und gefeiert.

In einigen Regionen Deutschlands gibt es eine fünfte Jahreszeit. Für die Rheinländer ist es der Karneval, für die Bayern das Oktoberfest und für die Twistringer (Twistringen ist eine Stadt in Niedersachsen) ist es das Schützenfest. Es findet immer am 3. Juli-Wochenende statt und beginnt samstags Abend mit einem traditionellen Dämmerschoppen im Festzelt.

Um 23.30 Uhr ertönt dann das Kommando zum Antreten aller Schützen im Freien, zum historischen Zapfenstreich. Nach Beendigung des Zapfenstreichs wird mit Erklingen der Nationalhymne das schon traditionelle Feuerwerk gezündet. Drei Eröffnungsböller zeigen den Beginn des Schützenfestes an.

Wer nach diesem Ereignis noch Lust hat, kann ins Festzelt zurückkehren, jedoch sollte man bereits an den Sonntag denken, an dem der Spielmannszug (ca. 40 Leute) die Bevölkerung um 6.30 Uhr morgens weckt.

Am Sonntagmorgen findet ab 11 Uhr ein Platzkonzert im Biergarten nahe der Schützenhalle statt. Nachmittags um 15 Uhr treten dann die Schützen in vier Kompanien an, um den noch amtierenden König mit Gefolge gebührend zu empfangen.

Der gesamte Verein ist nach den Wohngebieten in vier Kompanien eingeteilt und zählt insgesamt ca. 600 Mitglieder.

Es erklingen Kommandos zur Königsehrung und zu den Klängen des Präsentiermarsches nimmt der König in einer festlich geschmückten Kutsche Platz.

Mit ihm an der Spitze setzt sich nun der Festzug in Richtung Festplatz in Bewegung.

Endlich angekommen, wird der König von den schon wartenden Gästen und Schützen geehrt.

Anschließend begeben sich alle ins Festzelt, um nach den Klängen einer Show- und Tanzband das Tanzbein zu schwingen und sich zu amüsieren. Nach einer eventuell durchtanzten und oft viel zu kurzen Nacht, heißt es am Montagmorgen bereits um 9 Uhr:

„Antreten zum Königsschießen“.

Geschossen wird in der Schützenhalle mit einem Kleinkalibergewehr auf 50 m Abstand. Alle Schützen, die auf die Königsscheibe schießen, geben einen Probeschuss und anschließend

zwei Wertungsschüsse ab. Jeder Schuss wird auf einen großen Monitor in die Halle übertragen, außerdem werden die Schützen im Biergarten und im Festzelt ständig über die neuesten Ergebnisse per Lautsprecher und Flip-Chart unterrichtet.

Je nach Ergebnis kommt es dann zu einem eventuellen Umschießen (Stechen), bis dann endlich der neue König feststeht.

Auf den Schultern ihrer Kompaniekameraden werden nun die neuen Majestäten, der König sowie der Jungschützenkönig (Alter unter 25 Jahre) ins Festzelt getragen, wo dann gegen 11 Uhr der eigentliche Höhepunkt des Spektakels beginnt:

der sogenannte Festkommers.

Die Schützen sitzen an langen, festlich aufgebauten Tischen, der Vorstand, der König und viele Ehrengäste davor.

Und in großer Zahl umrahmen die Besucher die Schützen und feiern selbstverständlich kräftig mit.

Der Vorsitzende leitet den Kommers mit humorvollen Beiträgen. Es finden Ehrungen und Auszeichnungen statt, große Reden werden geschwungen.

Zwischendurch wird der alte König ent- und der Neue inthronisiert.

Nun endlich kommt in diese Männerwelt,

der gesamte Schützenverein besteht nur aus männlichen Mitgliedern,

eine Frau ins Spiel, denn die Frage stellt sich: „Wer wird die Königin?“

Während der Kommers tobt, hat der Königsadjutant die Aufgabe, der neuen Königin die Nachricht zu überbringen, wer König geworden ist. Gleichzeitig wird ihr vermeldet, dass seine Majestät sie zur Königin gekürt hat.

Der Königsadjutant reitet nun in die Stadt und anschließend zur Auserwählten. Diese ist nie die eigene Ehefrau.

Zusammen kehren sie dann ins Festzelt zurück, in dem die Offiziere die

neue Königin zu „ihrem“ König führen.

Gegen 13.30 Uhr endet der offizielle Teil des Kommerses. Jetzt können sich die Schützen um ihre ( eigenen ) Damen kümmern. Auf den Plätzen und Gaststätten der Stadt wird dann fleißig weitergefeiert, die meisten Geschäfte in der Innenstadt sind an diesem Tag geschlossen.

Wer will kann noch am Umzug, der sich in Richtung des Wohnsitzes des neuen Königs richtet, teilnehmen.

Anschließend findet auf dem Festplatz der traditionelle Festball statt, mit dem sich das Schützenfest für ein Jahr von seinen vielen Freunden und Gästen verabschiedet.

Hier noch ein paar allgemeine Anmerkungen:

Die Kosten für den König in einem Regentschaftsjahr liegen bei ca. 8.000 DM.

Er bezahlt das Freibier, die Musik, das Schmücken der Kutsche usw.

Davon erhält er vom Verein einen Zuschuss in Höhe von 5.000 DM.

Die Aufgaben des Schützenkönigs bestehen in der Repräsentation bei Schützenbällen, Schützenfesten und ähnlichen Anlässen.

Wie auch bei uns, sollte vom neuen Schützenkönig ein Erinnerungstaler an die Schützenkette angebracht werden

Schützenkönig kann man erst ab dem vollendeten 25. Lebensjahr werden

Kinder dürfen bereits ab dem 8. Lebensjahr mit dem Luftgewehr schießen.

Einmal im Jahr wird beim Schützenfest der Damenpokal ausgeschossen. Hier können sich alle Frauen der sog. Schützenbrüder ( Mitglied im Schützenverein) beteiligen.

Der gesamte Schützenverein besteht aus ca. 600, nur männlichen Mitgliedern.

Nur etwa 15 Mitglieder treffen sich regelmäßig alle 14 Tage zum Schießtraining, um auch an Wettkämpfen teilnehmen zu können.

Es können auch einmal im Jahr beim Schützenfest Krawattennadeln ausgeschossen werden.

In der Einlage sind 5 Schuss enthalten. Bei einer Ringanzahl von mind. 46 erhält der Schütze eine Krawattennadel mit dem Abzeichen des Schützenvereins.

Hier kann unbegrenzt nachgekauft werden.